Dorf-Geschichte
Am Westabhang des Kohlfirstes im Weinland gelegen, zählt Flurlingen derzeit etwa 1430 Einwohner. Das Gemeindegebiet umfasst 231 ha und erstreckt sich vom Rhein bis hinauf auf das Kohlfirstplateau. Flurlingen gehörte im 9. Jh. mit Dachsen, Mörlen und Langwiesen zur „Laufer Mark“, und stand im Eigentum des Klosters Rheinau. Im August 876 übergab dessen Laienabt Wolvene dieses „Dörfchen“ dem Klettgaugrafen Gozbert, und als dieser später selbst Abt wurde, schenkte er im Jahre 892 seinen Besitz in Laufen, Mörlen und Flurlingen wieder dem Kloster. Jedenfalls gelangte dann im 10. Jh. die ganze Mark samt der Pfarrkirche in Laufen an den Bischof von Konstanz, der hier eine Grundherrschaft einrichtete, mit Gerichtsbarkeit über „Erb und Eigen“ und Bussenkompetenz bis zu neun Schilling. Dieses „Uhwieser Amt“ bestand bis 1798. Die Vogtei mit der mittleren Gerichtsbarkeit war mit dem Schloss Laufen verbunden und gelangte mit diesem 1544 an Zürich. Das hohe Gericht gehörte seit je zur Grafschaft Kyburg und ging mit dieser 1424 bzw. 1452 an Zürich über. In der Helvetik bildete Flurlingen eine eigene Munizipalität; ebenso waren unter der Mediationsverfassung Flurlingen, Dachsen und Uhwiesen selbständige Gemeinden. Mit der Restauration im Jahre 1814 schmolz man alle drei Orte zusammen; erst unter der neuen Kantonsverfassung von 1831 löste sich Dachsen los, so dass nur noch Laufen-Uhwiesen und Flurlingen zusammen eine politische Gemeinde bildeten. Im Jahre 1841 schied Flurlingen aus diesem Verbande aus und wurde nun eine selbständige Gemeinde. Noch vor 150 Jahren besass Flurlingen mit ca. 48 ha, aufgeteilt auf weit über 100 Rebbesitzer, die grösste Rebfläche aller Gemeinden im Weinland. Heute werden von einem Rebbauer noch ca. 4 ha Reben be- wirtschaftet. Von den ehemals 29 Flur- und Haustrotten sind noch deren 4 erhalten. Die im Dorfzentrum gelegene Hirschentrotte mit noch originalem Trottbaum wurde 1981 fachgerecht restauriert. Die Bedeutung des Rebbaues hat sich auch im Gemeinde-Wappen niedergeschlagen: Auf blauem Grund sind über einem goldenen Dreiberg drei silberne Rebmesser mit goldenen Griffen und silbernen Zwingen dargestellt. Die Industrialisierung begann 1831 mit der ehemaligen Tonwarenfabrik beim Rheinfels. 1872 wurden oberhalb des Dorfes die ersten Fabrikhallen für die Bindfadenfabrik, heute AROVA, erstellt. Im Laufe der Zeit entwickelte sich dort ein Industriekomplex, in dem heute verschiedene grössere und kleinere Firmen angesiedelt sind. Zwei Brücken verbinden das Dorf mit dem Industrieort Neuhausen und der Stadt Schaffhausen. Ein weiterer Brückenschlag ist für die Nationalstrasse N 4.
Hilari-Geschichte
Flurlinger, Uhwieser, Feuerthaler und Langwieser dürfen jedes Jahr im Januar Hilari feiern, weil vor langer Zeit die Bauern aus diesen Dörfern dem Burgfräulein im Schloss Laufen am Rheinfall zu Hilfe eilten. Bertha von Laufen wurde damals von einem bösen Ritter bedrängt. Die herbeigeeilten Bauern vertrieben ihn und seine Gefolgschaft. Aus Dankbarkeit schenkte Bertha den vier Gemeinden je einen Teil des schönen Kohlfirstwaldes. Bertha und jenen Ereignissen zu Ehren feiern wir Hilari.
> Weitere Informationen zum Hilari: www.hilari.ch
Hinweise zum Flurlinger Brauch:
Hilarius > hat seinen Namenstag am 13. Januar Älteste > Schüler des Jahrganges, der die Oberstufe abschliesst. Die Ältesten treten mit Frack und Zylinder auf, heiseln am Silvester, verkaufen Eintrittsbillette für den Flurlinger Abend und organisieren und betreiben die Hilari Disco im Turnhallenkeller. Heiseln > bedeutet Eintreiben oder „Heuschen“. Die Ältesten statten am Silvester Abend überall dort im Dorf einen Besuch ab, wo ein Baby zur Welt kam. Die Ältesten, die sich deswegen auch Heisler nennen, tragen einen traditionellen Spruch vor, werden bewirtet und erhalten einen finanziellen Zustupf für den Bau der Hilari Disco. Einläuten > Umzug der Ältesten, der Dorfjugend und der Eltern am Hilari Donnerstag Abend durch das Dorf. Mit Glocken, Trommeln und Pauken wird der offizielle Beginn der traditionellen Feierlichkeiten eingeläutet. Die Umzugsteilnehmer rufen: „Gläristag juhe, und nonemol juhe, und nonemol das gleiche, Gläristag juhe, he, he!“. Hilari Disco > von den Ältesten errichtete Disco im Turnhallenkeller. Sie steht primär den Flurlinger Primar- und Oberstufenschülern offen. Gäste sind ebenfalls willkommen. Streicheln > in der Nacht von Hilari Donnerstag auf Hilari Freitag verschleppt die Flurlinger Dorfjugend aus Hinterhöfen und Gärten herumliegende Gegenstände zum Gemeindehausplatz . Die Streichler sind aufgerufen, dabei keine Sachbeschädigungen anzurichten. Sie können dafür haftbar gemacht werden! Tagwache > am Hilari Freitag, morgens um 04.00 Uhr, wird mit Trommeln, Pauken und allerlei Lärminstrumenten ein Umzug durch das Dorf veranstaltet. Die Flurlinger Dorfbevölkerung wird daran erinnert, dass es Hilari ist und unnötiges Schlafen wertvolle Hilarizeit vergeudet. Wiederum wird „Gläristag juhe...“ gerufen. Verluntschen > das Verkleiden der Hilari Teilnehmer mit Gewändern aus vergangenen Zeiten, selbstgebastelten Kostümen und dergleichen. Schulhilari > Primarschulpflege und Lehrerschaft organisieren am Hilari Freitag einen heiteren Spiel- und Spass-Nachmittag für Schüler, Eltern und Freunde des Hilari. Flurlinger Abend > Unterhaltungsabend am Hilari Freitag im Rheintalsaal für Jung und Alt aus Nah und Fern. Musik, Tanz, Speis und Trank, Bar und sich alle Jahre treffende Heimwehflurlinger sind die herausragenden Höhepunkte dieses Anlasses. Umzug > Umzug am Samstag Nachmittag durch das Dorf. Die halbe Bevölkerung nimmt mit bemerkenswertem Engagement aktiv teil, der Rest applaudiert an den Strassenrändern. Wer nicht dabei ist, verpasst etwas! Hilarimaa > auch Hilarivatter genannt, ist NICHT ein Böögg! Der Hilarimaa ist eine von den Ältesten gefertigte Strohpuppe, Sinnbild für den bösen Ritter der Hilari Sage. Ausläuten > Bildet den offiziellen Abschluss des traditionellen Hilari Anlasses am Samstag Abend. Auf dem Rheintal Parkplatz wird der Hilarimaa verbrannt, durch die Ältesten die Abdankung verlesen und anschliessend von allen Anwesenden das Hilarilied gesungen. In früheren Jahren fand das Ausläuten im Rahmen eines Umzuges statt, an dem folgender Spruch gerufen wurde: „Gläristag verbii, wo händer au de Wii, d’Wiiber händ en gsoffe, und üüs hätts nüt meh troffe!“