Hilariurkunde
Im Schloss Laufen wohnte zu dieser Zeit ein Fräulein, genannt Berta von Laufen, welche mit ihren zum Schlosse gehörenden Gemeinden auf gutem Fusse stand und durch ihren Edelsinn und ihre Wohltätigkeit beim Volke sehr geschätzt wurde und beliebt war. Ein Ritter, Hugo von Hohen-Krähn, im Hegau, begehrte sie zur Frau. Berta von Laufen, welche sehr an ihrem Volke hing, und der die Grausamkeiten der Vögte und Raubritter wohl bekannt waren, wies den Ritter Hugo mit Abscheu zurück. Gerade am Geburtstagsfest der Berta von Laufen, als die Gemeinden ihre Abgeordneten nach Laufen sandten, um ihr ihre Glückwünsche und Gaben zu überreichen, erschien der Ritter Hugo mit seinem bewaffneten Gefolge. Als Berta von Laufen ihn zurückwies, wurde er so darüber erbost, dass er der Berta Rache schwor und bei seinem Abzug zurief: „Mir solche Schmach, das ruft nach Rach, mein sollst du sein, doch nicht durch Frein, nein durch das Schwert wirst du begehrt. Des Schlosses Brand zünd durch das Land“, und zu den Bauern rief er wütend: „Und eure Saaten reit ich nieder. Ade, bald sehen wir uns wieder.“ Eines Tages sass Berta von Laufen mit ihren Zofen und Pagen im Schlossgarten. Überall waren Wachen aufgestellt, um nach einem Feinde auszuspähen. Beim Känzeli heilt der treueste Diener Bertas, Otto, Wache. Plötzlich wurde ein Klirren von Waffen vom Rheinfallspförtchen her vernehmbar. Der Feind stürmte aus den Gebüschen hervor, voran der Ritter Hugo. Otto, der Diener, hatte sich bestechen lassen und dem Feinde die Pforte geöffnet. Die Wache leistete eine Zeit lang vergebens Widerstand. Da, welch ein Glück, noch zur rechten Zeit trafen die Bauern der Gemeinden Uhwiesen, Feuerthalen, Flurlingen und Langwiesen, welche vom Bedrängnis ihrer Herrin gehört hatten, ein. Nach kurzem Gefecht wurden die Ritter in die Flucht geschlagen. Die siegreichen Bauern kehrten in den Schlossgarten zurück, wo sie Berta mit freundlichstem Dank empfing. Als Belohnung für die Hilfeleistung überreichte Berta von Laufen am Hilaritag den Gemeinden eine Schenkungsurkunde auf Pergament, wonach die ganze Waldung am Kohlfirst den Rettern geschenkt wurde, und zwar nach der Anzahl der Bauern, welche zu Hilfe kamen. So erhielten: Laufen-Uhwiesen > 600 Jucharten Wald, Flurlingen > 300 Jucharten Wald, Langwiesen-Feuerthalen > 300 Jucharten Wald. In dankbarer Erinnerung dessen feiern die vier beschenkten Gemeinden alle Jahre den Schenkungstag Hilari.